SCHEIN ODER SEIN. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts

Die leistungsstarke Performerin in der Firma, der unermüdliche Selfie-Poser im Netz, die prominente Selbstvermarktung von allem Privaten – viele heutige Alltagserscheinungen des Performativen nehmen ihren Anfang in der Phase des historischen Übergangs von der Hofbühne zum Bürgertheater. Im frühen 19. Jahrhundert wurden die Hoftheater nach und nach durch Stadttheater ersetzt. Dem Aufstieg des bürgerlichen Theaters stand die zunehmende Theatralisierung des bürgerlichen Alltags gegenüber. Aus dem festen Gefüge der alten Ständeordnung mit ihren vorgegebenen Lebensbahnen entlassen, musste der Bürger nun etwas aus sich machen und zum Darsteller seiner selbst werden. Seine innovativen Leistungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft musste der Bürger nicht nur erbringen. Sie mussten in Konkurrenz zu vielen anderen, ebenfalls fleißigen Individuen gebührend in Szene gesetzt werden. So begann, was viele Alltags- und Berufsfelder bis heute prägt: Du musst es nicht nur gut machen. Es muss den anderen auch auffallen.
Mit Beiträgen von Johannes Bilstein, Lutz Ellrich, Ines Heisig, Nicola May, Solveig Palm, Sabine Schroyen, Horst Weber, Matthias Winzen, Lisa Wolfson.

Herausgegeben von Matthias Winzen
Erschienen in Athena Verlag
360 Seiten, gebunden, 19 Euro

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