VORSCHAU

 

Criminal Women

CRIMINAL WOMEN

Eine Geschichte der weiblichen „Kriminalität“

Eröffnung am 5. Mai 2023

Sei es die biblische Judith, die Holofernes köpft oder Charlotte Corday, die den französischen Revolutionären Jean-Paul Marat ersticht, weibliche Kriminelle polarisieren noch heute. Warum ist das so? Und warum wissen wir so wenig über sie? Die Ausstellung untersucht den facettenreichen Begriff einer „weiblichen Kriminalität“. Ausgehend von Darstellungen der Judith als einer Proto-Kriminellen wird die weibliche Kriminalität seit dem 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus zwischen Kriminalisierung und Tatmotiv verortet. Wer wurde als Kriminelle im 19. Jahrhundert verstanden? Wie wurden kriminelle Frauen erfasst und dargestellt? Wie verschmolzen Kriminalfälle, fiktionale Schilderungen und künstlerische Motive zu tradierten Vorstellungen vom „weiblichen Verbrecher“? Wie änderte die NS-Justiz das Denken über weibliche Kriminalität? Wann und warum wurden Abtreibung und Prostitution zur Straftat?

In einem faszinierenden Parcours aus Objekten der Kriminalanthropologie, der Kunst-, Medizin- und Technikgeschichte entfaltet die Ausstellung ein Panorama der wissenschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit, der daraus resultierenden Konzeptionen des „weiblichen Verbrechers“, der Narrationen und Metaphern um „Racheengel“ und „von Teufel Getriebene“ sowie der technischen Geräte, die weibliche Kriminelle zu vermessen, zu dokumentieren und zu strafen suchten.

Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Ausstellungsteil werden die Perspektiven der vornehmlich von Männern konzipierten Wissenschaften mit Fallbeschreibungen einiger krimineller Frauen wie Charlotte Corday oder Elisabeth Wiese kontrastiert. Der Ausnahmefall der russischen Kriminalanthropologin Pauline Tarnowsky, ihrer anthropometrischen Forschung und fotografischen Sammlung zu „russischen Verbrecherinnen“ zeigt, dass auch Wissenschaftlerinnen straffällig gewordene Frauen und Prostituierte stigmatisierten und zugleich einen differenzierten Umgang mit dem Thema anstrebten.

Während im ersten Teil die vermeintliche Objektivität der kriminalanthropologischen Diskurse dargestellt wird, wird im zweiten Teil die bisher wenig beachtete Perspektive der kriminellen Frauen herausgearbeitet. Es wird die Frage aufgeworfen, wie ein neuer Frauentypus im beginnenden 20. Jahrhundert in der Kunst der Moderne in Erscheinung tritt und wie dieser als gefährlich und latent kriminell wahrgenommen wird. In der Ausstellung erinnert das ikonische Gemälde zum so genannten „Abtreibungsparagraphen 218“ (1931) der Künstlerin und Fotografin Alice Lex-Nerlinger an den fortwährenden Kampf um das Recht auf die Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Ein Augenmerk gilt Künstlerinnen, die im Nationalsozialismus als „kriminell“ oder „asozial“ galten und in Gefängnissen, so genannten „Heilanstalten“ oder Konzentrationslagern festgehalten oder umgebracht wurden. Dazu zählen Eva Schulze-Knabe, Hildegard Seemann-Wechler, Nina Jirsíková und Ceija Stojka.

Als roter Faden führen durch einzelne Ausstellungssektionen Videointerviews mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke sowie von kriminellen Frauen geschriebene und von Schauspielerinnen gesprochene Berichte. Diese lassen die (Ab-)Gründe des „weiblichen Kriminellen“ besser verstehen.

ARCHIV

SCHÖN UND GEFÄHRLICH. Die hohe See im 19. Jahrhundert

Wissenschaft und Technik erlaubten dem fortschrittlichen 19. Jahrhundert eine immer erfolgreichere Bändigung der Natur, medizinisch in der Bakteriologie, industriell durch Dampfmaschine und Elektrizität. Die biblische Aufgabe schien gelöst. Die ganze Welt konnte nun erforscht, erobert, erklärt, entzaubert werden. – Die ganze Welt? Nein! Auf hoher See tobte das große Drama zwischen zivilisatorischer Beherrschung und natürlicher Gewalt weiter ...
02 Jun 2021 - 27 Feb 2022

BADEN IN SCHÖNHEIT

Idyllische Strände und elektrisches Wasserbad nach Friedrich Eduard Bilz (1842–1922), idealische Nacktheit und Bügelkorsett: Die Ausstellung zeigt, wie sich Kunst und Medizintechnik in der Bad-ekultur ergänzten. Berühmte Künstler wie Aristide Maillol (1861–1944), Christian Landenberger (1862–1927), Ludwig von Hofmann (1861–1945), Karl Albicker (1878–1961) und Sascha Schneider (1870–1927) feierten in ihren Skulpturen und Monumentalgemälden männliche und weibliche Nackte als ebenso natürliche wie ideale Gestalten am Wasser. ...
06 Jun 2020 - 28 Feb 2021

WILHELM BUSCH. Bilder und Geschichten

Die Schau zeigt Wilhelm Busch (1832–1908) als den berühmten Schöpfer lustig-scharfsinniger Bildergeschichten und als fortschrittlich experimentellen Landschafts- und Porträtmaler ...
29 Sep 2018 - 03 Mrz 2019

GEDIEGENER SPOTT. Bilder aus Krähwinkel

Das Biedermeier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand nicht nur aus behaglichen Möbeln, Hausmusik und unpolitischer Privatheit. In den bürgerlichen Wohnstuben wurde manchmal laut und frech gelacht, und zwar über die lustigen Grafiken, die das absurde Treiben der anständigen Bürger in Krähwinkel zeigten ...
24 Mrz 2018 - 09 Sep 2018

HANS THOMA. Wanderer zwischen den Welten

Die Ausstellung „HANS THOMA. Wanderer zwischen den Welten" präsentiert Gemälde, Zeichnungen und Grafiken von Hans Thoma (1839–1924) sowie Aspekte, die über die bekannte Vorstellung vom Maler seiner Schwarzwälder Heimat hinaus weisen ...
23 Sep 2017 - 04 Mrz 2018
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